Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund, Etappe 4


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund

Etappe 4: Einruhr nach Gemünd: 21,2 km, Schwierigkeitsgrad: mittel

Unterkunft: Gasthaus Im Tal 18 in Hellenthal

Bei Frau Hüpken gibt es kein Frühstück vor 0800 Uhr und mit meinem “Vegansein” ist sie nicht einverstanden. Das kann nicht gesund sein! Nach über 30 Jahren Vegetarier/Veganer Dasein lass ich jede Diskussion, die mit folgenden Sätzen anfängt: “Das kann nicht gesund sein; Ich ess auch nur ganz wenig Fleisch und dann nur von artgerechter Haltung und humaner Schlachtung; Vegetarier kann ich ja noch nachvollziehen, aber Veganer sind fanatisch….” kommentarlos an mir vorbeiziehen.

Frau Hüpken ist ein liebe Frau und will nur eine gute Gastgeberin sein. Als ich sie frage ob sie eventuell Haferflocken hat, die zarten, strahlt ihr Gesicht. Ich frage sie nach heissem Wasser; sie hat noch frische Zwetschgen und voila, habe ich ein perfektes veganes Frühstück. In England nennt man es Porridge und in den USA Oatmeal. Ich mag es und es sättigt für mehrere Stunden.

Bei Frau Hüpken komm ich mit den anderen Reisenden nicht ins Gespräch, weil ich separat gesetzt werde. Aber bei ihr ist einiges los. Eine fast 10-köpfige Motorradgruppe aus Nordfriesland und 2 Pärchen “belagern” ihr kleines Wohnzimmer das zum Frühstücksraum umfunktioniert wurde. Ich weiß, ich sollte darüber nicht überrascht sein, doch als die “hartgesottenen” Motorradfahrer Frau Hüpken baten den Kaffee für Tee auszutauschen, musste ich doch irgendwie grinsen. Es sind halt Friesen!

Emma und ich ziehen los. Der Eifelsteig startet gleich mit einem Aufstieg, der auf hübschen Wiesenwegen mit toller Aussicht auf den Obersee blickt. Überhaupt begleitet der Eifelsteig das Ufer des Obersees über eine lange Strecke, vorbei an der Urftseestaumauer und dann zu einem Ort, auf den ich mich hätte vorbereiten sollen. Ich bin oft sehr spontan; lauf einfach drauf los; lese auch nicht vorher viel im Wanderführer.

Nach vielen Kilometern am Ufer und im Wald kommen wir an einem riesengrossen Gebäudekomplex an. Emma und ich sind allein. Es ist mir ganz mulmig. Dieser Ort fühlt sich unheimlich an. Es geht keine gute Energie von ihm aus. Und ich bin wirklich kein esoterischer Typ, aber hier stimmt irgendetwas nicht. Ach was bin ich doch eine ungebildete Ignorantin!

Ich treffe zwei Männer, Vater und Sohn, aus Köln. Ich drücke meine Besorgnis aus und sie klären mich auf. Ich stehe vor der “NS-Ordensburg Vogelsang”! Sie ist massiv und ganz in grauem Schieferstein gebaut. Die NSDAP errichtete die Anlage als Eliteschule und 1939 gingen die monumentalen Bauten an die Wehrmacht als Truppenquartier und ab 1941 wurden dort Adolf-Hitler Schulen eingerichtet. Unten wo ich noch allein mit Emma war, dachte ich die Anlage wäre verlassen, doch als ich die breiten Steintreppen hochsteige, sehe ich, dass sie zu einem “Ausflugsziel” (Mahnmal und Erinnerungsstätte) ausgebaut wurde. Es herrscht reges Treiben oben im SB Restaurant und auf der Aussichtsterrase. Auch ich entscheide mich hier mein Mittagessen einzunehmen. Für mich gibt es ein Salatbuffet und Pommes Frites, das “Standardessen” in einer Kantine für Veganer.

Ich treffe die zwei Wanderinnen vom Restaurant des gestrigen Abends und wir entscheiden uns zusammen zu gehen. Kurz vor Gemünd trennen sich unsere Wege, da sie zurück zu ihren Autos per öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Die fahren auch sonntags wegen den Wanderern.

Gemünd ist ein Kneipp-Kurort und touristischer Knotenpunkt. Bevor ich ganz im Zentrum ankomme, sehe ich das städtische Freibad, und zwar voll mit tobenden Hunden! Ich hab schon mal von solchen Aktionen gehört. Die Freibäder erlauben in den letzten Wochen vor Schließung Hunden die Nutzung des Bades. Die Neugier treibt mich runter vom Eifelsteig zum Schwimmbad. Ich gehe mit Emma rein und erfahre, dass der Eintritt für einen guten Zweck gespendet wird. Ich weiß nicht, wie Emma reagieren wird, zahle aber trotzdem. Es ist ja kein verlorengegangenes Geld. Im Wasser toben Bernadiner, Labradore, Golden Retriever, eigentlich nur grosse Rassen. Und Emma will nicht rein. Da ich ja meine Tewa Wanderschuhe und eine kurze Hose anhabe, geleite ich sie langsam die Schwimmbadtreppe runter. Sie schwimmt einige Sekunden, doch das ganze ist ihr nicht geheuer. Ich will ihr keine Angst machen und sie nicht zwingen. Das wäre nur kontraproduktiv. Also setzen wir uns auf die Wiese und schauen dem bunten und sehr lustigen Treiben der wilden Rasselbande zu. Diese Hunde haben soviel Spass! Welch’ super Idee! Das könnten sie auch bei uns machen. Eine Win-Win Situation für alle.

Im Kurpark ist ein Konzert; überall ist irgendwie Feierstimmung. Ein sonniger Sonntag in einem hübschen Städtchen mit Fußgängerzone. Und dann kommt die Ernüchterung: schon wieder habe ich keine Pension oder Hotel im Etappenzielort mit Hund gefunden. Und diesmal wird es richtig kompliziert zur Pension nach Hellenthal zu kommen. Ich muss einen öffentlichen Bus nehmen (an einem Sonntag) und dann ein Sammeltaxi. Ich gehe zur Touristeninformationsstelle um einen Busplan und die Telefonnummer vom Sammeltaxi zu erhalten. Bus fährt in 1 ½ Stunden-gut- dann kann ich hier noch zu Abend essen. Und dann sehe ich auf dem Prospekt des Sammeltaxis, dass sie keine Hunde befördern. Jetzt reicht es mir wirklich! Emma könnte nicht netter sein! Sie macht absolut garnichts. Sie ist auch nicht schmutzig. Ich rufe die Pensionsinhaberin an und erkläre ihr meine Notlage. Puh, sie kommt mich mit ihrem Privatauto von der Bushaltestelle abholen, denn die Pension ist in einem Vorort von Hellenthal, noch 5 km entfernt.

Ich bin etwas schlecht gelaunt und wenn das passiert, habe ich nicht noch große Lust mich bei meiner Umwelt wegen meiner Ernährung erklären zu müssen. Es gibt hier einige nette Restaurants mit deutscher Küche und Biergärten. Vielleicht würde jemand mir eine “Extra-Wurst” braten. Das funktioniert manchmal, denn diese Restaurants haben trotz riesiger Auswahl oft kein einziges Veggiegericht. Aber ich hab keine Lust darauf. Emma wird schon diskriminiert, da will ich nicht auch noch diskriminiert werden. Daher entscheide ich mich zum Türken zu gehen und dort einen Falafelteller zu essen. Es gibt gesünderes (alles ist frittiert) but so what! Und danach gönn’ ich mir mehrere Bällchen Fruchteis beim Italiener, denn das ist auch immer vegan (ausser Banane).

Der Bus fährt um 1841 Uhr. Es dauert eine halbe Stunde, die für Emma, die noch nie in einem Bus gefahren ist und zudem grölende, prollige Jugendliche ertragen muss, die Hölle ist. Sie zittert am ganzen Körper. Ich setze mich zu ihr auf den Boden. Aber hier ein interessanter Hinweis: Hunde werden kostenlos mittransportiert. Das hat sich vor einigen Monaten geändert. Da musste man noch für Hunde bezahlen und nicht für Fahrräder. Jetzt ist es umgekehrt wegen der Mountainbikewelle.

Die Pensionsinhaberin holt uns mit ihrem Mann pünktlich ab. Die Pension ist ihr Hobby und der Mann hat einen großen Schreinereibetrieb. Das merkt man auch, wenn man die Zimmer betritt. Alles ist selbst gezimmert, aus sehr schönem hellen Holz. Bis jetzt, mit Abstand das schönste und modernste Zimmer und ein tolles, sauberes Badezimmer. Die Matraze lächelt mich nach der ausgiebigen Dusche an und der Tag geht seinem Ende zu.


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund, Etappe 5


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund
Etappe 5: Gemünd nach Kloster Steinfeld: 17,4 km, Schwierigkeitsgrad: mittel
Unterkunft: Kloster Steinfeld

Radischen, Chicoree und Möhren zum Frühstück. Es gibt auch Brötchen, selbstgemachte Marmelade und Müsli mit Sojamilch. Was soll ich sagen? Ich werde satt, auch wenn ich die Kombination schon sehr kurios finde.
Emma und ich werden wieder mit dem Auto zum Busbahnhof gefahren und dann fahren wir zurück nach Gemünd. Gestern, am Sonntag waren noch Jugendliche und Senioren im Bus, heute nur Migranten. Das erstaunt mich schon ein wenig, denn wir sind in der Nordeifel, nicht im Ruhrgebiet. Aber es ist ruhig im Bus und da Migranten oft Angst vor Hunden haben, auch diesmal, hat Emma Ruhe. Das war gestern bei den Jugendlichen nicht so. Sie warfen sogar Sachen durch den Bus.
Schnell ist Gemünd verlassen und wir wandern durch sehr abwechslungsreichen Wald und hübsche Bachtäler. Ich treffe wieder eins der niederländischen Paare vom zweiten Wandertag. Wir unterhalten uns endlich ausgiebig. Warum bin ich nicht schon früher zu Englisch übergegangen? Die Frau will die Wanderung aufgeben. Ihre armen Füße sind voller Blasen. Wie gut ich sie verstehen kann; und wie froh ich bin, dass ich meine Wanderschuhe für Tewas ausgetauscht habe.
Einige der Örtchen durch die ich wandere, sind bezaubernd. Sie haben eine gut erhaltene Fachwerkarchitektur und traditionelle Bauerngärten vor den Häusern. Alles sehr idyllisch. Dieser Wandertag bietet nicht soviel Spektakuläres- es ist ein fast entspannter, vielleicht sogar meditativer Wandertag zum Kloster Steinfeld. Und ich mach’ auch richtig gut Zeit. Es ist ja kein Wettlauf, aber ich komme im Durchschnitt 3 Stunden vor meinen Weggefährten im Kloster an.
Klöster und ich-wir gehen weit zurück. Meine Grosstante war Nonne und als kleinstes Kleinkind verbrachte ich Zeit bei ihr im Kloster Bornheim. Ich mag die alten Gemäuer, die schönen Gärten, die hohen Decken der Zimmer, der Geruch von Weihrauch. Ja, all das mag ich. Aber was ich nicht mag und bis heute nicht verstehen kann: Warum sind die Angestellten (Rezeption) und Mönche/Nonnen nicht freundlicher? In jeder Pension wurde ich herzlich empfangen, in zweien hat man sogar Emma begrüßt, aber hier, wo Nächstenliebe doch zum Grundton gehöre sollte, kein freundliches Wort, sondern nur schroffe Anweisungen. Ich kann nur meinen Kopf schütteln.
Aber das Zimmer (ja, mit hohen Decken) war spartanisch schön. Das Badezimmer war auf der Etage. Es gibt auch teurere Zimmer mit Bad. Nach dem Abladen der Last und der obligatorischen Dusche, ging ich in den Klostergarten und versuchte mich an einem Labyrinth. Es war schön gemacht aus fast 2 Meter hohen Buxbäumen und ich bin es länger durchlaufen als ich gedacht habe. Zeitweise bekam ich sogar eine leichte Panik, dass ich nicht mehr rausfinde.
Dann ging ich ins Klostercafe zum Kaffeetrinken (konnte leider keinen Kuchen dort essen, obwohl sie alle hausgemacht waren, aber nicht vegan) und stöberte im Klosterbuch-und Geschenkladen rum. Hätte gerne mehr als nur eine Fußcreme gekauft, aber ich muss ja alles tragen, und da denkt man zweimal nach ob man Souvenirs kauft.
Es gibt in dem Ort noch ein anderes Restaurant, aber an dem Montag an dem ich da war, hat es Ruhetag. Ich ging also ins Refektorium essen. Schnitzel, Hähnchenbrust, Pizza, Aufschnitt, Salatbuffet, Käseplatte…..9,50 Euro für trockenes Brot mit Salat! Kein Getränk mit inbegriffen.


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund, Etappe 6


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund
Etappe 6: Kloster Steinfeld nach Blankenheim: 23,4 km, Schwierigkeitsgrad: mittel
Unterkunft: Pension Breuer in Blankenheimerdorf

Frühstück im Kloster: ich kann es nicht leugnen, da ist eine grosse Auswahl für Omnivoren. Genug Aufschnitt, Schinken und Käse, um eine Fabrikbelegschaft zu beköstigen, aber wieder nichts für mich. Wenn es doch 15 Sorten Käse gibt und doppelt soviel tierischen Aufschnitt, kann man dann nicht eine einzige pflanzliche Alternative hinstellen? Oder zumindest eine Pflanzenmilch, damit man das Müsli essen kann? Wieder Brötchen mit Marmelade. Und davon bekomm’ ich Sodbrennen. 
Der Eifelsteig wird “zahmer”, weniger hügelig, weniger anstrengend im Sinne von Berg-Kraxelei. Es geht durch lichten Laubwald, hübsche Wiesen- und Auenlandschaften und vorbei an römischen Ausgrabungsstätten. Und hab ich schon ein Loblied auf meine Hündin Emma gesungen? Sie ist noch kein einziges Mal vom Weg abgekommen oder hinter einem Wildtier hinterher. Sie lässt sich wunderbar abrufen, wenn sie mal zuweit vorläuft und ist freundlich zu allen anderen Hunden und Menschen, denen wir begegnen. Sie ist ein Traumhund. Ich habe immer schwierige Hunde gehabt (sie aber auch geliebt und für nichts in der Welt getauscht), deshalb kann ich es manchmal garnicht glauben, wie problemlos alles mit Emma läuft. Wenn man bedenkt, dass sie 7 Jahre lang nur an einer Kette gelebt hat mit einer rostigen Tonne als Unterschlupf, kaum zu fressen bekam und allen Gefahren hilflos ausgesetzt war! Was für ein wunderbares Wesen! Ich schätze mich glücklich solch’ eine tolle Weggefährtin bei mir zu haben.
Es ist heiß heute, richtig, richtig heiß. Wir treffen einen Spaziergänger mit Cocker Spaniel Lucky. Der Mann ist selbstständig beschäftigt und reist in der ganzen Welt rum. Auch mit ihm unterhalte ich mich gerne und muss mich nach einer Stunde losreißen. Seine Geschichten sind wirklich interessant. Aber ich hab noch einige Kilometer vor mir und bekomme auch so langsam Hunger. Apropos: Nettersheim ist eine richtig schöne Stadt. Da möchte ich gerne nochmal zurückkommen. Ich esse in einer Bäckerei. Die haben eine Linsensuppe, die mit Gemüsebrühe gemacht ist. Geht doch!
Blankenheim werde ich heute abend nicht erreichen, denn meine Pension ist in Blankenheimerdorf, ungefähr 4 km vor Blankenheim, aber dadurch das man quer zu dem Dorf hingehen muss, wahrscheinlich die gleiche Gesamttageskilometerzahl.
Frau Breuer ist sicherlich die herzlichste aller Pensionsinhaberinnen, die ich auf meiner Tour getroffen habe. Sie bringt mir einen Kaffee und Emma ein Leckerli. Im Dorf selbst gibt es kein Restaurant. Ich könnte mir eine Pizza liefern lassen, doch ich habe immer noch Nüsse und Snacks vom Anfangsproviant übrig. Ich lasse den Abend gemütlich ausgehen.


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund, Etappe 7


Den Eifelsteig wandern: Vegan, mit Hund

Etappe 7: Blankenheim nach Mirbach: 17,7 km + 4 km von Blankenheimerdorf nach Blankenheim, Schwierigkeitsgrad: mittel

Unterkunft: wieder zuhause

Wieder Verzweiflung beim Frühstückstisch. Nicht von meiner Seite, sondern von Frau Breuer. Auch sie meint es nur gut mit mir, aber mit über 70 ist das Vegansein so exotisch für sie, wie Reggae und Rastalocken. Nun ja, die Auswahl beschränkt sich wieder auf Brötchen mit hausgemachter Marmelade und etwas Obst. Aber ich treffe nicht auf komplettes Unverständnis. Ihre jüngere Schwester ist Vegetarierin und als ehemalige Krankenschwester kennt sie sich zumindest mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten aus. Zwei Frauen, die etwas älter sind, fragen mich “Löcher in den Bauch” über meine Solowanderung. Der Hauptmerk ist auf dem Thema, ob ich denn als Frau keine Angst hätte allein zu wandern. Ich erwidere, dass ich nicht allein bin, denn ich habe Emma. Nach etwas Erklärung verstehen sie meine Begeisterung mit Hund unterwegs zu sein. Ich spüre ihre Bewunderung mir gegenüber. Ich finde nicht, dass ich etwas Besonderes tue, aber ich glaube für die meisten ihrer Generation wäre es schon eine Überwindung den Eifelsteig “allein” zu gehen.

Es ist ein herzlicher Abschied von Frau Breuer und jetzt muss ich erst mal 4 km nach Blankenheim gehen um den Etappenstart zu finden. So früh am Morgen hab ich noch keine Lust eine Stadtbesichtigung zu machen, doch Blankenheim hat eine Burg und einen schönen historischen Ortskern, der sicherlich sehenswert ist. Doch ich will wandern. Heute ist mein letzter Tag. Es ist auch der letzte volle Tag in Nordrhein-Westphalen. Die Etappe endet in dem ersten Ort in Rheinland-Pfalz Mirbach. Ein Ort, in dem es keine Unterkunft mit Hund gibt und auch nichts in der Nähe (weder per Bus, noch per extra Fußweg), deshalb endet meine Wanderung auch dort.

Auch heute verläuft der Eifelsteig mehr über Wiesen-, als über Waldwege. Das Gelände ist offener und auch die Sonne scheint wieder. Meine 7-tägige Wanderung wird wohl nur einen Regentag, den ersten, gehabt haben. Bei Alendorf gehen wir einen Kreuzweg hoch, so eine Art Kalvarienberg. Das schöne daran ist, dass der ganze Berg mit Wacholderheiden bewachsen ist, etwas sehr seltenes. Zudem ist der Ausblick spektakulär. Es steht auch so eine schöne Holzliegebank dort. Da muss ich mich einfach drauflegen und etwas Zeit verweilen! Ach, ich werde schon etwas melancholisch und nachdenklich. Mein letzter Wandertag! 7 Tage ohne Smartphone (ausser um Pensionsadressen zu finden), ohne Tiernotfälle, ohne Arbeit…aber auch ohne meinen Kater Ilaka. Oh, hier denkt ihr euch vielleicht, dass ich die Menschen in meinem Leben nicht vermisse. Ja, die vermisse ich auch, aber nicht in 7 Tagen. 

Ich komme schon früh am Nachmittag in Mirbach an, muss dann noch fast 3 Stunden warten bis meine Schwester mich abholen kann. Ich warte bei der Erlöserkapelle, denn in ganz Mirbach gibt es an einem Wochentag keine Gaststätte, die offen ist. Zufälligerweise treffe ich die zwei älteren Frauen vom heutigen Frühstückstisch bei Frau Breuer nochmal. Und wieder unterhalten wir uns ganz nett. Stellt sich raus, dass sie pensionierte Grundschullehrerinnen sind. Da hab ich immer viele Fragen, denn für kurze Zeit in meinem Leben habe ich auch mal unterrichtet, allerdings in den USA.

Noch ein Tip: mit Emma ist es natürlich schwer, Gebäude zu besuchen, in denen sie nicht willkommen ist. Und sie draussen anbinden, fällt mir unglaublich schwer. Ich muss schon ein Auge auf sie haben, um mich dazu zu überwinden. Deshalb habe ich auf meiner Wanderung keine Kirchen oder Kapellen besichtigt. Aber die zwei Grundschullehrerinnen haben mir diese Kapelle in Mirbach sehr empfohlen und da sie noch da waren und auf Emma aufpassen konnten, bin ich reingegangen. Und sie ist wirklich wunderschön innen drinnen. Irgendwie russisch-orthodox, obwohl der Stil neo-romantisch sein soll. Das ganze Innere ist mit vergoldetem Mosaiksteinchen bedeckt. Die Gemeinde hat sicherlich noch keine 100 Einwohner, wenn auch 1000 Kühe, aber diese Kapelle ist aussergewöhnlich.

So, nun zum Fazit meiner Eifelsteigwanderung zum Halbetappenziel:

Ich hab Lust auf MEHR! Ich möchte die restlichen 8 Etappen bis zum Etappenziel Trier auf jeden Fall noch beenden, vielleicht nächstes Jahr in einer Woche oder vielleicht in einigen Wochenendwanderungen. Ich habe meine körperliche Fitness auf jeden Fall überschätzt. Nicht die Kilometerzahl hat mich “fertig gemacht”, sondern die Kilometerzahl mit Gepäck auf dem Rücken. Das bin ich auf keinen Fall gewohnt gewesen. In gewisser Weise ist es gut, dass ich nicht wusste, was auf mich zukam, sonst hätte ich es nicht durchgehalten. Aber die Zeit in der wunderschönen Natur, die Ruhe, die Zweisamkeit mit Emma und auch die netten Begegnungen mit meinen Mitmenschen haben dies zu einer ganz besonderen Erfahrung gemacht. Ich bin zwar nicht den Mount Everest erklommen, aber ich musste mich einigen körperlichen und logistischen Herausforderungen stellen, die mich stärker gemacht haben. In dem Moment, in dem man in der Herausforderung steckt, wünscht man sich nichts Sehnlicheres, als da raus zu sein. Man denkt, warum muss alles nur so kompliziert sein oder warum muss das mir jetzt passieren! Aber, wenn man es dann geschafft hat, überkommt einen dann doch einen gewissen Stolz.

Vegansein auf dem Eifelsteig: Nun ja, ihr habt gesehen, es ist genauso enttäuschend wie überall sonst in der Provinz. Das es anders geht, weiss ich. Das es nicht so kompliziert ist, weiss ich auch. Aber es dauert halt noch, bis diese Nachricht auch hier angekommen ist. Auch habe ich dazugelernt. Ich würde mich noch mit mehr veganem Proviant ausstatten, auch wenn das mehr Gewicht bedeutet. Denn diese weißen Brötchen jeden Morgen mit Marmelade…’ne, das kann ich einfach nicht Tag ein Tag aus.

Eifelsteig mit Hund: 100 %-ige Empfehlung. Emma hat soviel Spass gehabt und wenn ich es schaffe einen ganzen Tag zu gehen, dann schafft es ein gesunder, nicht alter, normal “beiniger” (also keine Toyrassen) Hund das doppelt und dreifach. Hundebesitzer unterschätzen die Fitness ihrer Hunde komplett. Natürlich, wenn es totale Stubenhocker sind und im Alltag nur wenig ausgeführt werden, dann kann man nicht direkt mit 20 Kilometer Märschen anfangen. Doch ein Hund, der 1 ½ – 2 Stunden am Tag rauskommt, der schafft 20 Kilometer auf Anhieb. Man hat ja den ganzen Tag, 6-8 Stunden, mit Pausen und man rennt ja nicht. Ich hab gedacht, es wären mehr Hunde unterwegs. Das war aber leider nicht so. Sehr schade, denn man baut eine starke Bindung zum Hund auf, wenn man wie im Wolfsrudel den ganzen Tag “streunert”.

Lasst uns alle mehr streunern! Bis zum nächsten Mal, auf dem Eifelsteig! Danke an alle Leser/innen!


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